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Geschätzter Kollege,

ich habe es geschafft. Ich bin wieder in der Zivilisation und konnte – mit Genuss und Belehrung – wie ich gern konzediere, von ihren ersten Erfolgen lesen.

 
Wie Sie völlig richtig schreiben, haben die sinnlosen und nicht zum Ziel beitragenden „Kontrollen“, die überfallsartige Aufforderung zur Berichterstattung und die sich selbst verstärkende Misstrauensspirale bereits das gewünschte Ergebnis gebracht. Die Mitarbeiter:innen rollen also hinter dem Rücken des Geschäftsführers bereits die Augen, er selbst kann sich ein Seufzen nicht verkneifen, wenn ein_e Mitarbeiter:in bis in sein Chefbüro vordringen kann und ihn sprechen will. 
Sie können jetzt zur zweiten Phase übergehen:

Ändern Sie sein Führungsverständnis
Auf der Uni haben sie dem armen Wurm sicher ein paar neumodische Ideen in den Kopf gesetzt, er wird versuchen, diese umzusetzen. Partizipative Ansätze, Eigenverantwortung, „Enablen“. Achten Sie auf Versuche dieser Art - unterbinden Sie dies keineswegs, das würde auffallen, aber stellen sie sicher, dass er nur mit den Mitarbeiter:innen spricht, die von einer geänderten Führung nicht profitieren würden – den „Anstoßbewegten“, den Faulen, den Stabsstelleninhabern mit viel Macht – Sie wissen, wen ich meine. „Das haben wir immer so gemacht“ ist deren Standarderwiderung.

Die werden ihm ganz klar vor Augen führen, dass er ordentlich hintreten muss, damit sich überhaupt etwas bewegt. Meist haben diese hilfreichen Gesellen nämlich auch die Macht, ihn an einfachen organisatorischen und/oder administrativen Dingen scheitern zu lassen. Weil er aber – dank Ihnen! – ja ohnehin keinen Kontakt mehr zu den operativ tätigen Leuten hat – wird er nach einiger Zeit diese Flausen aufgeben.

Führung ist eben: Eine harte Hand haben, die die anderen auch spüren müssen. Wie ein gestrenger Vater, der die Kinder ja nur zu ihrem Besten schlägt. Ist ja immer noch gesellschaftsfähig – mit ein bisschen Glück hatte er so einen Vater oder einen Chef, dann wird er ganz natürlich, weil unter Druck und weil er gar keine andere Handlungsmöglichkeit kennt, oder je ausprobieren konnte, genau in das erlernte und erlebte Muster verfallen.

Wenn die Mitarbeiter dann soweit sind, dass sie nicht mehr die Unternehmensziele im Fokus haben, sondern nur mehr, „wie der Alte heute drauf ist“, haben Sie einen großen, weiteren Schritt getan.


Ich bin sehr stolz auf Sie, Wertester
und verbleibe mit den besten Wünschen
S.



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